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Wattwagen nach Neuwerk - Geschichte

Vor über hundert Jahren, im Jahre 1880, nahm die Bauernfamilie Brütt den wohl orginellsten Post-Beförderungsdienst Deutschlands auf, der sich bis zum heutigen Tage seine Attraktivität bewahrt hat.

Hoch zu Roß brachte schon vor dieser Zeit - so sagt die Chronik - der damalige Postreiter Peter Brütt allwöchentlich seinen Postsack und damit die Verbindung zum Festland durch das Watt zur Insel Neuwerk. Im Jahre 1880 wurde diesem “Unternehmen” der offiziellle Charakter gegeben, und sein Sohn Christian erhielt eine postamtliche Beauftragung.

Christian Brütt ritt - wie zuvor sein Vater - regelmäßig mit seinem Pferd zur Insel. Doch im Jahre 1885 spannte er zwei Pferde vor seinen Ackerwagen, lud die Post- säcke auf, setzte sich auf das eisenbereifte, vierrädrige Vehikel, knallte kräftig mit der Peitsche und rollte mit seinen 2 PS durch die großen Priele der Insel Neuwerk entgegen. Das war die Geburtsstunde des Wattwagens, wie er uns bis heute erhalten gebieben ist. Diese Idee fand sowiel Anklang, das bald nicht nur Briefe und Pakete über die Watten gebracht wurden. Auch die Quiddjes, wie die Binnenländer hier genannt wurden, fanden Freude daran, mit Christian Brütt und seinem Wattwagen von Duhnen nach Neuwerk zu fahren - so um ein Urlaubserlebnis reicher.

Aber auch für gemeinnützigen Aufgaben stellte sich Christian Brütt zur Verfügung. Seit seinem 17.Lebensjahr saß er im Rettungsboot der Duhner Station zur Rettung Schiffbrüchiger und wurde gegen 1900 Vormann auf dem Rettungsboot der Station Duhnen. Unvergessen bleibt, daß er während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit 45 Menschenleben vor dem ertrinken rettete. Als er am 5. August 1928 -75jährig - starb, wurde seine Leiche in feierlichem Zuge statt mit dem üblichen Leichenwagen in seinem Rettungsboot zum Döser Friedhof gefahren.

So tüchtig der Vater im Boot war, so sicher beherschte sein Sohn Otto Brütt (geb. 1875) die Geheimnisse des Watts zu Fuß und mit dem Wagen. Die Kenntnisse vom Watt, Wind und Wasser - ein ewiges Zusammenspiel - hatte er sich schon in seinen Kindheitstagen erworben, und mit Recht galt er als bester Kenner des Priels.

Damals: pflegten die Neuwerker Bauern zu sagen: ”Wir wollen mal sehen, ob Otto von Duhnen kommt.” Der ließ vom Wagen aus seinen Peitschenstiel durch die hohle Hand ins Wasser des Prielufers fallen, prüfte die Tiefe, zog die Peitsche an der Schnur wieder hoch und sagte nur: ”Dat will woll gohn!”.

Nach dem II. Weltkrieg ging es vorübergehend etwas zurück mit dem Wattenpostdienst. Otto hatte inzwischen das 70. Lebensjahr überschritten, und am 29. März 1948 nahm ihm nach kurzer Krankheit der Tod die Leine aus der Hand. Seitdem führte sein Sohn Willy Brütt die Wattenpost. Vom Vater auch schon früh angelernt, brachte er die Überlieferung von drei Generationen mit für sein Metier, in welchem die Erfahrung alles ist.

Willy Brütt gehörte auch über 20 Jahre als Deichgeschworener dem Deich - und Schleusenverband an. Und so wie er dem Watt verbunden war, so war er in der Feldmark ein passionierter Jäger. Wer Willy Brütt kannte, charakterisierte ihn mit folgenden Worten: “Er ist kein Mann der See, er ist ein Sohn der Küste und als solcher verbunden mit dem Watt, dem Strand und dem Land hinter dem Deich”. In den letzten Jahren ließ Willy Brütt seine Landwirtschaft - dem Zuge der Zeit folgend - immer mehr einem Pensionsbetrieb Platz machen. Als er am 30. Juni 1974 nach langer, schwerer Krankheit 75jährig verstarb, übernahm sein Sohn Karl-Heinz den Wattenpostfahrdienst.